ᐅ objektiv: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de (2024)

Inhaltsverzeichnis

  • Objektivität in verschiedenen Rechtsbereichen
  • Strafrecht
  • Zivilrecht
  • Verwaltungsrecht
  • Unterschiede zwischen objektiver und subjektiver Betrachtung
  • Beispiel
  • Objektivität für Rechtssicherheit und Rechtsprechung
  • FAQ
  • Was bedeutet der Begriff "objektiv" im juristischen Kontext?
  • Was ist der Unterschied zwischen objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen?
  • Wie wird der objektive Täterbegriff im Strafrecht verwendet?
  • Welche Rolle spielt die objektive Zurechnung im Strafrecht?
  • Kann ein Vertrag objektiv unwirksam sein?
  • Wie erfolgt die objektive Beweiswürdigung im Zivilprozess?
  • Welche Bedeutung hat die objektive Beweislast im Zivilrecht?
Objektiv ist ein Begriff aus dem juristischen Bereich und bezieht sich auf die Betrachtung von Sachverhalten oder Handlungen unabhängig von persönlichen Empfindungen, Meinungen oder Vorurteilen. Es geht darum, die rechtlichen Gegebenheiten auf Basis von Fakten und Beweisen zu beurteilen.

Objektivität in verschiedenen Rechtsbereichen

Die Bedeutung von Objektivität zeigt sich in zahlreichen rechtlichen Zusammenhängen. Hier sind einige Beispiele:

Strafrecht

Im Strafrecht gibt es sogenannte objektive und subjektive Tatbestandsmerkmale. Die objektiven Tatbestandsmerkmale beschreiben die äußere Tatbestandsverwirklichung, also die konkreten Handlungen und die daraus resultierenden Folgen. Hierzu zählt beispielsweise die Prüfung, ob eine Handlung eine Körperverletzung im Sinne des § 223 StGB darstellt. Die subjektiven Tatbestandsmerkmale hingegen betreffen die innere Einstellung des Täters, etwa das Vorliegen von Vorsatz oder Fahrlässigkeit.

Zivilrecht

Auch im Zivilrecht spielt Objektivität eine Rolle, etwa bei der Auslegung von Willenserklärungen gemäß § 133 BGB. Demnach ist der wirkliche Wille der Parteien zu erforschen und nicht am buchstäblichen Sinn des Ausdrucks zu haften. Die Auslegung erfolgt daher objektiv und orientiert sich an den Umständen, die für jeden Dritten erkennbar sind.

Verwaltungsrecht

Im Verwaltungsrecht findet die Objektivität vor allem bei der Auslegung von Gesetzen und Normen Anwendung (sogenannte objektive Auslegung). Hierbei wird von einer objektiven, nicht von persönlichen Ansichten oder Wertungen geprägten Sichtweise ausgegangen, um Rechtssicherheit und Gleichbehandlung im öffentlichen Recht zu gewährleisten.

Unterschiede zwischen objektiver und subjektiver Betrachtung

Der Hauptunterschied zwischen objektiver und subjektiver Betrachtung liegt in der Herangehensweise:

  • Objektiv: Eine objektive Betrachtung berücksichtigt ausschließlich Fakten und Beweise, die für einen Sachverhalt sprechen. Emotionen, Meinungen oder persönliche Wertvorstellungen spielen keine Rolle. Der Zweck ist es, durch diese Vorgehensweise Rechtssicherheit, Fairness und Gleichbehandlung für alle Beteiligten zu gewährleisten.
  • Subjektiv: Bei einer subjektiven Betrachtung werden persönliche Empfindungen, Meinungen und Vorurteile berücksichtigt. Die Interpretation von Sachverhalten kann dadurch variieren, und es besteht die Gefahr von Ungleichbehandlung und Rechtsunsicherheit.

Beispiel

Um die Bedeutung der Objektivität in der Praxis zu veranschaulichen, bietet sich folgendes Beispiel an:

Fall: Bei einer Auseinandersetzung kommt es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Personen. Person A hat Person B geschlagen und verletzt. Person B hatte zuvor Person A provoziert und beleidigt.

Bei der rechtlichen Beurteilung dieses Falls ist es für Richter und Staatsanwaltschaft wichtig, den Sachverhalt objektiv zu bewerten. Dazu werden alle relevanten Beweise (z.B. Zeugenaussagen, ärztliche Atteste) zur Ermittlung der objektiven Tatbestandsmerkmale herangezogen. Auch die Auslegung von Rechtsnormen (z.B. § 223 StGB – Körperverletzung) erfolgt objektiv und unvoreingenommen. In diesem Fall ist es unerheblich, ob der Richter persönlich Sympathien für eine der Parteien hegt oder ob er persönlich die Meinung vertritt, dass die Provokation von Person B eine Körperverletzung rechtfertigt.

Objektivität für Rechtssicherheit und Rechtsprechung

Die Objektivität ist ein zentrales Prinzip im Recht, da sie Rechtssicherheit und Gleichbehandlung aller Rechtssuchenden sicherstellen soll. Die objektive Herangehensweise ermöglicht eine einheitliche Auslegung von Gesetzen und Rechtsnormen und stellt sicher, dass sich die Entscheidungen von Richtern, Staatsanwälten und anderen juristischen Akteuren auf Fakten und Beweise stützen. Dadurch wird die Glaubwürdigkeit des Rechtssystems gestärkt und das Vertrauen der Bevölkerung in die Rechtsordnung gefördert.

FAQ

Was bedeutet der Begriff "objektiv" im juristischen Kontext?

Der Begriff objektiv spielt in verschiedenen Bereichen des Rechts eine wichtige Rolle und kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Grundsätzlich bezieht sich "objektiv" auf Tatsachen und Umstände, die von außen beobachtbar und unabhängig von individuellen Empfindungen, Meinungen oder Perspektiven sind. Im juristischen Kontext bedeutet dies, dass eine objektive Betrachtungsweise notwendig ist, um Sachverhalte und Geschehnisse gerecht und unvoreingenommen zu bewerten. Dies betrifft sowohl die materiell-rechtliche Prüfung von Tatbestandsvoraussetzungen, als auch die Ermittlung von Rechtsfolgen und die Beurteilung von Beweismitteln.

Was ist der Unterschied zwischen objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen?

Im Strafrecht werden Tatbestandsmerkmale in objektive und subjektive unterteilt. Objektive Tatbestandsmerkmale beziehen sich auf die äußeren Umstände einer strafbaren Handlung, wie beispielsweise die Tathandlung selbst oder die konkreten Folgen der Handlung. Diese Merkmale können unabhängig von den persönlichen Eigenschaften und Empfindungen des Handelnden festgestellt werden. Subjektive Tatbestandsmerkmale hingegen betreffen die innere Einstellung des Täters zur Tat, zum Beispiel seine Absicht, Vorstellung oder seinen Vorsatz. Eine Straftat ist in der Regel nur dann vollständig verwirklicht, wenn sowohl die objektiven als auch die subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt sind.

Wie wird der objektive Täterbegriff im Strafrecht verwendet?

Im Strafrecht ist der objektive Täterbegriff von Bedeutung für die Frage, wer als Täter einer Straftat anzusehen ist. Dabei werden Personen als Täter objektiv bezeichnet, wenn sie die tatbestandsmäßige Handlung selbst ausgeführt oder einen anderen zur Ausführung angestiftet haben. Der objektive Täterbegriff dient im Strafrecht dazu, die persönliche Verantwortlichkeit für eine Straftat festzustellen und eine angemessene Strafe für die tatbestandsmäßige Handlung zu bestimmen. Gegenüberstehend gibt es den subjektiven Täterbegriff, der auf die innere Einstellung des Täters zur Tat abstellt.

Welche Rolle spielt die objektive Zurechnung im Strafrecht?

Die objektive Zurechnung ist ein zentraler Begriff im Strafrecht und dient dazu, festzustellen, ob ein bestimmtes Ereignis der Verantwortlichkeit des Täters zugerechnet werden kann. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob der Täter durch seine Handlung eine rechtlich relevante Gefahr geschaffen hat und ob diese Gefahr auch für den konkreten Schadenseintritt kausal geworden ist. Bei der objektiven Zurechnung handelt es sich um eine normative Wertung, die auf der Grundlage von objektiven Kriterien erfolgen muss. Hierzu zählen etwa die Adäquanz (also die Vorhersehbarkeit) des Erfolgs oder die Risikoverwirklichung im konkret erfolgten Schaden.

Kann ein Vertrag objektiv unwirksam sein?

Ja, ein Vertrag kann objektiv unwirksam sein, wenn die Voraussetzungen für seine Wirksamkeit nicht gegeben sind. Dies betrifft insbesondere die Einhaltung von Formvorschriften, die Einigung der Parteien über die wesentlichen Vertragspunkte (Konsens) sowie die Beachtung von gesetzlichen Bestimmungen und Verboten. Ein objektiv unwirksamer Vertrag ist nichtig und entfaltet keine Rechtswirkungen. Die Feststellung der objektiven Unwirksamkeit erfolgt durch eine gerichtliche Prüfung, die unabhängig von subjektiven Gesichtspunkten und individuellen Interessen der Vertragsparteien ist.

Wie erfolgt die objektive Beweiswürdigung im Zivilprozess?

Die objektive Beweiswürdigung ist ein grundlegendes Prinzip im Zivilprozess und bedeutet, dass das Gericht die vorliegenden Beweismittel und Tatsachen unvoreingenommen und ausschließlich auf der Grundlage von objektiven Kriterien beurteilt. Hierbei unterscheidet sich die Beweiswürdigung im Zivilprozess von der im Strafprozess, da sie in der Regel nicht in gleichem Maße auf den subjektiven Tatvorwurf oder die persönliche Schuld des Beklagten abzielt. Bei der objektiven Beweiswürdigung spielen insbesondere die Plausibilität, die Widerspruchsfreiheit und die Glaubhaftigkeit der vorgetragenen Tatsachen eine entscheidende Rolle. Das Gericht trifft seine Entscheidung dann nach der freien Überzeugung aus den vorgetragenen Beweismitteln.

Welche Bedeutung hat die objektive Beweislast im Zivilrecht?

Die objektive Beweislast ist ein grundlegender Begriff im Streit um Ansprüche im Zivilrecht und betrifft die Frage, welche Partei die Beweislast für das Vorliegen oder Nichtvorliegen bestimmter Tatsachen trägt. Im Zivilrecht gilt grundsätzlich der Grundsatz der objektiven Beweislastverteilung, wonach die Partei, die sich auf eine anspruchsbegründende Tatsache beruft, auch die Beweislast hierfür trägt. Eine Umkehr der objektiven Beweislast kann jedoch in bestimmten Fällen eintreten, beispielsweise bei Anscheinsbeweisen, bei Gefährdungshaftung oder wenn die Beweislast durch gesetzliche Regelungen ausdrücklich anders verteilt wird.


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Inhaltsverzeichnis:

  • Objektivität in verschiedenen Rechtsbereichen
    • Strafrecht
    • Zivilrecht
    • Verwaltungsrecht
  • Unterschiede zwischen objektiver und subjektiver Betrachtung
    • Beispiel
  • Objektivität für Rechtssicherheit und Rechtsprechung
  • FAQ
    • Bedeutung von "objektiv" im juristischen Kontext
    • Unterschied zwischen objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen
    • Verwendung des objektiven Täterbegriffs im Strafrecht
    • Rolle der objektiven Zurechnung im Strafrecht
    • Möglichkeit eines objektiv unwirksamen Vertrags
    • Vorgehensweise der objektiven Beweiswürdigung im Zivilprozess
    • Bedeutung der objektiven Beweislast im Zivilrecht

Regarding the concepts covered in the provided article:

Objektivität in verschiedenen Rechtsbereichen: In law, objectivity is crucial across various domains. For instance, in criminal law, it differentiates between objective and subjective elements of an offense. The former encompasses the outward actions and consequences, while the latter pertains to the perpetrator's internal state like intent or negligence. Similarly, in civil law, objectivity guides the interpretation of declarations, emphasizing actual intentions over literal expressions. In administrative law, it ensures an unbiased understanding of laws, promoting legal certainty and equality in public law.

Unterschiede zwischen objektiver und subjektiver Betrachtung (Differences between objective and subjective perspectives): Objectivity relies solely on facts and evidence, disregarding emotions or opinions, thereby ensuring fairness and legal certainty. Conversely, subjectivity considers personal feelings, potentially leading to varied interpretations and legal uncertainties.

Beispiel (Example): Consider a scenario where two individuals engage in a physical altercation. Despite provocation and insult from one party, the legal assessment demands an objective evaluation. This entails considering all evidence (witness statements, medical reports) impartially to determine objective criteria like the presence of assault as defined by law (e.g., Section 223 of the Criminal Code). Personal biases or opinions of the judge should not influence this assessment.

Objektivität für Rechtssicherheit und Rechtsprechung (Objectivity for Legal Certainty and Jurisprudence): Objectivity is pivotal in law to ensure legal certainty and equal treatment. It facilitates a uniform interpretation of laws, grounding decisions by legal actors on facts and evidence. This practice strengthens the credibility of the legal system, fostering public trust in the rule of law.

FAQ:

  • Bedeutung von "objektiv" im juristischen Kontext: It denotes an unbiased approach based on observable facts, crucial for impartial legal evaluations.
  • Unterschied zwischen objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen: Objective elements focus on external circumstances of an offense, while subjective aspects involve the perpetrator's internal state.
  • Verwendung des objektiven Täterbegriffs im Strafrecht: It identifies individuals objectively involved in an offense's commission, determining their liability and appropriate punishment.
  • Rolle der objektiven Zurechnung im Strafrecht: Determines if an action can be attributed to the perpetrator by objectively assessing their role in causing a legally relevant harm.
  • Möglichkeit eines objektiv unwirksamen Vertrags: Yes, a contract can be objectively void if it lacks essential elements for validity, irrespective of parties' subjective intentions.
  • Vorgehensweise der objektiven Beweiswürdigung im Zivilprozess: Courts evaluate evidence objectively, focusing on credibility, coherence, and consistency of presented facts.
  • Bedeutung der objektiven Beweislast im Zivilrecht: Defines which party holds the burden of proving specific facts; generally, the party claiming bears this responsibility.

These legal concepts underscore the importance of objectivity in ensuring fairness, consistency, and credibility within the legal system across various jurisdictions and domains.

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Author: Dr. Pierre Goyette

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Name: Dr. Pierre Goyette

Birthday: 1998-01-29

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